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Umweltfreundliche Oberflächenlinie

: Hans Weber


Sie leiten, führen, gebieten, verbieten, geben Hinweise und sie sorgen vor allem für einen geordneten Verkehr auf unseren Straßen – Verkehrszeichen, Beschilderungen, Parkleitsysteme und Sicherungssysteme. Als Verkehrsteilnehmer betrachten wir diese Hilfen als selbstverständlich. Doch dahinter verbirgt sich eine umfangreiche und komplexe Fertigungstechnik. Dafür investierte die Bremicker Verkehrstechnik jüngst in eine nagelneue Oberflächenlinie bestehend aus einer Oberflächenschleifmaschine von Hans Weber, in Österreich vertreten durch Schachermayer, und in eine nachgeschaltete UV-Beschichtungsanlage von Bürkle. Von Dietmar Kuhn, Freier Fachredakteur

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Die Aluminiumplatinen weisen nach dem Beschnitt leichte Grate auf. Diese werden mithilfe einer Weber-Schleifmaschine M1/1, einer Sonderkonstruktion, beseitigt und die Oberfläche gereinigt. (Bilder: Kuhn)

Die Aluminiumplatinen weisen nach dem Beschnitt leichte Grate auf. Diese werden...

Verkehrsleittechnik und -schilder findet man als Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer auf allen Straßen, Wegen und Plätzen. Sie geben uns Orientierung und weisen Wege, zeigen uns wo es langgeht, oder auch wo man sich besser nicht aufhalten sollte. Das Angebot reicht vom einfachen Verbots- und Gebotsschild bis hin zu elektronischen Hightech-Lösungen.

Die Bremicker Verkehrstechnik GmbH im oberbayerischen Weilheim, heute noch in Familienbesitz, gilt seit nunmehr 85 Jahren als Trendsetter für die Entwicklung und Produktion hochmoderner Verkehrstechnik. „Dafür“, so Kai-Uwe Pook, Prokurist und Bereichsleiter Produktion und Logistik bei Bremicker, „verarbeiten wir jährlich ca. 1.000 t Aluminium als Ronden, Dreiecke oder andere Formate, mehrere 100 t Stahl und weit mehr als 125.000 m² Folien.“ Daraus entstehen viele Tausend Verkehrszeichen mit einer Grundfläche zwischen 0 und 160 m² (Kleinverkehrszeichen, Großverkehrszeichen und touristische Hinweisschilder) sowie dynamische „Leitsysteme“. Auftraggeber sind in der Regel die öffentliche Hand sowie Kunden aus Industrie und Wirtschaft.

Aluminiumtafel mit Folie beschichtet

Allein die Fertigung eines einfachen Verkehrsschildes benötigt eine Reihe von Fertigungsschritten, die optimal geplant und aufeinander abgestimmt sein müssen. Ausgangsmaterial sind Bleche aus Aluminium. Sie werden zugeschnitten, geschliffen, gereinigt und lackiert. Anschließend werden sie mit Folien beschichtet. „Bei großen Schildern ist das eine wahre Kunst“, so Pook, „denn dabei werden meist mehrere Folien auf einem Blechzuschnitt kombiniert. Diese müssen entsprechend stoßgenau und möglichst
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Ausgangsmaterial für die Verkehrsschilder sind lasergeschnittene Aluminium-Bildträger.

Ausgangsmaterial für die Verkehrsschilder sind lasergeschnittene Aluminium-Bildträger....

unsichtbar zusammenpassen.“

Die dafür erforderliche, hochmoderne Fertigungs- und Vorbereitungstechnik zeigt sich mit einer nagelneuen Oberflächenlinie mit Schleif- und UV-Lackieranlage. Kai-Uwe Pook, verantwortlich für diesen Bereich, sieht seine Aufgaben vorrangig in Lösungen, die zum einen absolut umweltfreundlich und zum anderen höchst wirtschaftlich sind. Neuinvestitionen orientieren sich demnach ausschließlich an den beiden genannten Kriterien. Aus seiner beruflichen Erfahrung heraus trifft Pook seine Entscheidungen. So auch für die Schleiftechnik und Oberflächenbeschichtung. Er konstatiert: „Mit den Technologien der Firmen Bürkle und Weber, die für alle Beteiligten in Sachen Dimension ein Novum darstellen, haben wir jetzt einen Schritt vollzogen, der uns jährlich viele Tonnen Lösemittel einsparen lässt und unsere Flexibilität damit deutlich erhöht.“

Die Kombination macht`s

Was sich hinter dieser umfangreichen Investition verbirgt ist eine Oberflächenlinie, die sich zum einen durch eine Schleifstraße der Baureihe M von Hans Weber und zum anderen durch eine Walz-Lackieranlage mit UV-Trocknungs-Technologie von Bürkle präsentiert. Die Baureihe M sind Schleif- und Entgratmaschinen bis zu einer max. Bearbeitungsbreite von 3.200 mm. Hier kommt eine Kombination einer von oben schleifenden und einer von unten schleifenden Maschine zum Einsatz.

Für die Experten Georg Weber, Geschäftsführer der Hans Weber Maschinenfabrik GmbH und Patrick Ade, Verkaufsleiter Lackieren bei der Robert Bürkle GmbH
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Die Aluminium-Bildträger werden in einem Durchlauf von oben (rechts) und von unten geschliffen.

Die Aluminium-Bildträger werden in einem Durchlauf von oben (rechts) und von...

war es eine interessante Herausforderung, diese erstmalige Konstellation vom Möbel- auf den Metallbereich zu adaptieren. Wie Ade betont, befassten sich die Freudenstädter bislang zwar ab und zu mit Blechen als Werkstücke – UV-Lackierung findet heute allerdings fast ausschließlich in der Möbelindustrie statt.

Kai-Uwe Pook betont: „Für die Neuinvestition in die Oberflächenlinie gab es nur einen Weg – weg vom Lösemittel." UV-Lackieren kannte auch er bereits aus der Möbelbranche, wie die beiden Lieferanten auch. „Worauf es also ankam“, so der Betriebsleiter, „war, dass wir die Kombination des Schleifens und der UV-Lackierung auf den Metallbereich adaptieren, um damit umweltfreundlich und gleichzeitig kostensenkend produzieren zu können. Das ist uns mit den neuen Anlagen und einem innovativen Lackhersteller bestens gelungen. In vielen kleinen Schritten und zahlreichen intensiven Gesprächen und Versuchen konnten wir mit unserem Lackhersteller, der Firma Lott-Lacke, ein sehr stabiles System aufbauen, dass alle gängigen Prüfkriterien bestens erfüllt. Hier haben alle an einem Strang gezogen und etwas ganz Tolles geschaffen.“

Die Aluminium-Bildträger werden von Bremicker zum einen fertig eingekauft oder auf einer eigenen Trumpf-Laseranlage zugeschnitten. Trotz sauberer Schnitte sind sie mit einem leichten Primärgrat behaftet. Ein weiteres Problem stellt das Stapeln und Entstapeln der geschnittenen Bildträger dar, weil dabei unterschiedlich große Kratzspuren entstehen können. „Für die Weiterverarbeitung muss der Bildträger aber absolut grat- und kratzerfrei sein. Dies erreichen wir optimal mit der Schleifmaschine von Weber“, erklärt
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Die kompakte Weber Schleifmaschine M1/1 mit der Durchlaufrichtung von rechts nach links besitzt ein effizientes Absaugsystem für die Schleifstäube und Partikel. Diese werden einer Filteranlage zugeführt.

Die kompakte Weber Schleifmaschine M1/1 mit der Durchlaufrichtung von rechts...

Pook.

Entgraten, schleifen und lackieren

Mit der Weber-Schleifmaschine werden die Platinen entgratet und beidseitig, oben und unten, geschliffen. Daran anschließend erfolgt in der Bürkle UV-Lackieranlage der Lackauftrag auf der Oberseite der Bleche. Die Weber-Maschine mit einem Platzbedarf von etwa 4.000 x 4.000 mm wurde so konzipiert, dass die Blechzuschnitte in einem Durchgang optimal grat- und kratzerfrei bearbeitet werden. Zunächst werden die Platinen von einem oder auch zwei Bedienern aufgelegt. Die Einlaufbreite ist dabei mit 2.250 mm auch für sehr große Platinen üppig bemessen. Auf dem entsprechend der rauen Bedingungen ausgelegten Förderband werden die Bleche mit bis 8 m/min automatisch durch die gesamte Oberflächenlinie geschleust.

Der beim Schleifen und Bürsten anfallende Staub wird zu 99 % über spezielle Rohrleitungen der Anlage abgesaugt, einem entsprechendem Filtersystem zugeführt und mit Wasser vermischt abgelagert. „Die Bleche bzw. Platinen sind durch ein Vakuumsystem so auf dem Transportband fixiert, dass ein Verrutschen ausgeschlossen ist“, erläutert Georg Weber. „Beide Schleifmaschinen, für Ober- und Unterschliff, sind über ein zentrales Terminal synchron gesteuert. Bereits am Einlauf werden die Blechdicken elektromechanisch gemessen und die Maschinenhöhe automatisch angepasst“, erklärt der Schleifexperte weiter.

Die Antriebsleistung der Schleifanlage ist mit 48 kW pro Schleifeinheit kraftvoll und dennoch sparsam ausgelegt. „Die Maschine ist weitgehend wartungsfrei“, sagt
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Einlaufseite der entgrateten und geschliffenen Ronden in die Bürkle-Lackieranlage. Vorgeschaltet ist eine Wandres-Reinigungseinheit als zusätzliche Reinigungsstufe.

Einlaufseite der entgrateten und geschliffenen Ronden in die Bürkle-Lackieranlage....

Pook. „Einzig und allein die Schleifbänder, als Spezialanfertigung mit angepasster Körnung, müssen 1 bis 2 Mal pro Woche ausgewechselt werden.“ In ganz anderen Dimensionen zeigt sich die dem Schleifen nachgelagerte UV-Walz-Lackieranlage von Bürkle. In der Breite misst sie etwa ebenso wie die Schleifmaschine 2.250 mm, in der Länge bringt sie es auf fast 19 m.

Die geschliffenen Blechzuschnitte werden von mehreren Gurtförderern reibungslos von der Schleifanlage in die Lackieranlage und dann durch diese durchgeführt. Am Einlauf der Lackieranlage befindet sich eine Wandres-Reinigungseinheit. Diese arbeitet mit Schwertbürsten, die immer quer zur Transportrichtung der zu reinigenden Oberfläche wischen. Partikel bleiben dabei an den Bürstenfilamenten haften und werden zum Absaugstutzen im Umlenkbereich transportiert. Hier sorgen ein Rakel und mehrere Druckluftdüsen dafür, dass sich die Partikel aus der Linearbürste lösen und sicher über die Absaugung entfernt werden.

Lackaufbringung und Trocknung

Direkt nachgeordnet befindet sich die erste von zwei Bürkle Walzenauftragsmaschinen vom Typ easy-Coater RCL-L, mit deren Hilfe zuerst der sogenannte Primer (8 bis 10 g/m²) auf die Platinen aufgebracht wird, um eine sichere Haftung des eigentlichen Lackes (je nach Anforderung 15 bis 35 g/m²) sicherzustellen. Dieser wird durch die zweite Walzenauftragsmaschine aufgebracht. Damit lassen sich alle flächigen Bauteile, in diesem Falle Aluminiumzuschnitte, als Bildträger für die Verkehrsschilder beschichten. Werkstückgröße, Schichtdicken, Beschichtungsmedien und Auftragswalzenbeschaffenheit entsprechen jeweils den Anforderungen und
Anwenderwünschen. Im Falle von Bremicker sind es spezielle UV-Lacke die aufgebracht werden. Zur Reinigung und Pflege werden die Walzenauftragsmaschinen seitlich mit ein paar Handgriffen und in wenigen Minuten auf Schienen aus der Anlage herausgefahren.

Den Walzenauftragsmaschinen zugeordnet sind die UV-Trocknungsanlagen. Diese funktionieren mit lichtemittierenden Röhren. Im Vergleich zur Trocknung herkömmlicher Wasser- oder Lösemittellacke zeigen sie sich wesentlich umweltfreundlicher und ressourcenschonender. Sowohl Walzenauftragsmaschinen als auch die UV-Trocknungseinheiten gehören der Baureihe easy-Coater/easy-Cure an. Ein Anlagenkonzept, das durch die Mitgliedschaft von Bürkle in der VDMA-Nachhaltigkeitsinitiative „Bluecompetence“ entstanden ist. Die Initiative steht für ressourcenschonende Technologien und nachhaltige Lösungen.

Bei Bremicker hat man mit Weber und Bürkle wohl die richtige Entscheidung getroffen: „Mit dieser Anlagenkonstellation haben wir unsere Flexibilität und damit auch die Wirtschaftlichkeit enorm verbessert. Was aber noch höher zu bewerten ist, ist die Tatsache, dass wir absolut umweltfreundlich produzieren.“



Die Aluminiumplatinen weisen nach dem Beschnitt leichte Grate auf. Diese werden mithilfe einer Weber-Schleifmaschine M1/1, einer Sonderkonstruktion, beseitigt und die Oberfläche gereinigt. (Bilder: Kuhn)
Ausgangsmaterial für die Verkehrsschilder sind lasergeschnittene Aluminium-Bildträger.
Die Aluminium-Bildträger werden in einem Durchlauf von oben (rechts) und von unten geschliffen.
Die kompakte Weber Schleifmaschine M1/1 mit der Durchlaufrichtung von rechts nach links besitzt ein effizientes Absaugsystem für die Schleifstäube und Partikel. Diese werden einer Filteranlage zugeführt.
Einlaufseite der entgrateten und geschliffenen Ronden in die Bürkle-Lackieranlage. Vorgeschaltet ist eine Wandres-Reinigungseinheit als zusätzliche Reinigungsstufe.
Jeder der beiden UV-Walz-Lackieranlagen ist eine UV-Trocknung nachgeschaltet. Für die Steuerung wurde eine Siemens Simatic HMI gewählt.
Verkehrsschilder – einfaches Produkt mit ausgeklügelter Fertigungstechnik – bei der Bremicker Verkehrstechnik GmbH 100.000fach gefertigt.
Design, Gestaltung und Informationsinhalt werden am PC entwickelt und dann digital auf speziellen Verkehrsfolien entsprechend gedruckt.
Auf dem Transportband der Schleifmaschine werden die Bleche durch Vakuum fixiert und können so während des Schleifens nicht verrutschen.
Gesteuert werden die beiden Schleifeinheiten sowie der Transport über eine Steuerung mit Touchpad.
Georg Weber (links), Geschäftsführer der Hans Weber Maschinenfabrik GmbH und Kai-Uwe Pook, Prokurist und für die Produktion bei der Bremicker Verkehrstechnik GmbH verantwortlich, vor der Weber-Schleifmaschine M1/1.
Hier gelangen die sauberen Platinen in die UV-Walz-Lackieranlagen von Bürkle. Davon stehen zwei in der Linie – die erste für den Primer, die zweite für den Lack.
Zur Reinigung und Pflege werden die UV-Walz-Lackieranlagen auf Schienen aus der Linie gefahren.
Gemeinsam mit Georg Weber haben Kai-Uwe Pook (links) und Patrick Ade von der Robert Bürkle GmbH mit der kombinierten Schleif- und Lackierlinie ein Novum geschaffen. Damit spart der Verkehrstechniker Bremicker enorme Mengen an Betriebsmitteln ein und schont damit die Umwelt.


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